Es ist faszinierend, was der junge Basler Didgeridoo-Spieler Matthias Müller seinen urtümlichen australischen Blasinstrumenten an virtuosen und eigenwillig-innovativen Klang- und Rhythmuskreationen entlockt. Bei seinen Konzerten - aber auch beim Anhören seiner beiden bisher veröffentlichten CDs "Didgeridoo & Dreamtime Pipe" (1994) und "Passion" (1997) - wird klar: Hier spielt ein Suchender, ein Erforscher von Klangwelten, einer der immer wieder auslotet, was mit dem Instrument noch anderes und mehr möglich ist. Zugleich beweist Matthias Müller mit seinen Performances, dass er seine Passion nicht umsonst vor sechs Jahren zum Beruf gemacht hat.  

Da spielt unüberhörbar ein Profi mit hohen Qualitäts- ansprüchen an sich selbst. Ob man die sich auftuenden Klangräume lieber meditativ und mit geschlossenen Augen aufnimmt oder mit konzentrierter Wachheit - ein Hörgenuss sind die Darbietungen allemal. Die Konzerte bieten aber auch dem Auge etwas: Mit der Dreamtime Pipe, der leichteren amerikanischen Version des Didgeridoos aus Kaktus, bewegt sich Matthias Müller während seiner Konzerte oft geschmeidig durch den Zuschauerraum, füllt ihn von überall her mit Tönen. Sein Instrument sucht sich seinen Weg an Füssen entlang, durchwandert langsam von Köpfen, Schultern und Armen begrenzte Zwischenräume, streicht nahe an Ohren vorbei, um dann plötzlich und blitzschnell den Ort zu wechseln und in eine andere Richtung weiterzuspielen. Die Klänge werden zum auch körperlich spürbaren Erlebnis, ihre Farben, Räume und Rhythmen dadurch noch intensiver.

Matthias Müller orientiert sich musikalisch nicht einfach an australischen Vorbildern oder einer imaginierten Welt australischer Ureinwohner. Vielmehr lässt er sich überall von den ihn umgebenden Klängen und Geräuschen inspirieren und gibt bei der musikalischen Umsetzung gleichzeitig Gemüts- und Körperzuständen Ausdruck. Auch die Titel der einzelnen Stücke auf der zweiten CD "Passion" weisen darauf hin: Impressionen aus Matthias Müllers Hauptlebensraum Stadt (z.B. "Earthly Power", "Energy", "Freestyle") stehen solchen aus den Bergen gegenüber, wohin es ihn oft zieht (z.B. "View from the Mountains", "Sunrise"). 

Besonders interessiert sich der Musiker zudem für Klänge, welche in ganz unterschiedlichen Kulturen mit ähnlichen Instrumenten hervorgebracht werden. Eine solche Verwandschaft besteht etwa zwischen dem Didgeridoo und dem Alphorn, mit dem sich Matthias Müller ebenfalls intensiv beschäftigt. Das Didgeridoo-Stück dieses Namens zeugt davon. Matthias Müller spielt das einheimische Blasinstrument inzwischen aber auch an seinen Konzerten und gewinnt ihm mit seiner Didgeridoo-Spieltechnik ungewohnte und berührende Weisen ab.  
    Neben seiner Soloarbeit arbeitet Matthias Müller gelegentlich auch zusammen mit anderen Musikerinnen und Musikern sowie Kunstschaffenden aus anderen Bereichen z.B. Tanz. Auf das weitere Schaffen des kreativen Musikers darf man gespannt sein.

Porträt 1998